Forschungsberichte

Im Zusammenhang mit dem X. F.I.P. - Kongress in Brüssel, am 29. Mai 1935, veranstaltete die Fédération Royale des Cercles Philatéliques de Belgique vom 25. Mai 1935 bis zum 3. Juni 1935 den Salon international des timbres et exposition - concours des timbres de Belgique et du Congo (SITEB).

(Quelle für den Umschlag: Internet - Auktionsplattform delcampe)

 

 

 

Der F.I.P. - Kongress in Brüssel am 29. Mai 1935: Ein Meilenstein auf dem Weg zur internationalen Etablierung des Tages der Briefmarke?

 

Dr. Horst Schmollinger, Berlin

 

Wenn man sich ein Konzept für seine Sammlung zum Tag der Briefmarke überlegt, berücksichtigt man dabei auch, was andere Sammler und Philatelisten an Ereignissen mit postalischen und philatelistischen Belegen dokumentieren. Dabei geht es nicht nur um die für das darzustellende Thema zentralen Ereignisse, sondern auch um die Marksteine auf dem Weg zu seiner Einführung. Ein Blick auf die Internetseite unserer Forschungsgemeinschaft [1] und in unsere Handbücher [2] zeigt, was wir als die Meilensteine auf dem Weg zur Einführung des Tages der Briefmarke ansehen:

 

  • den 11. Bundestag und 40. Deutschen Philatelistentag in Danzig vom 3. bis zum 5. August 1934 mit dem Beschluss zur Einführung eines Tages des Briefmarkensammlers;
  • den 12. Bundestag und 41. Deutschen Philatelistentag in Mainz vom 16. bis zum 19. August 1935 mit der Akzeptanz der Idee und dem Vorschlag, den Tag auf den Geburtstag Heinrich von Stephans zu legen (7.1.);
  • den ersten Tag der Briefmarke in Österreich, nämlich in Wien, am 1. Dezember 1935;
  • den ersten Tag der Briefmarke in Deutschland, am 7. Januar 1936, mit einer zentralen Veranstaltung in Berlin;
  • den XI.F.I.P.- Kongress in Luxemburg am 29. August 1936, auf dem beschlossen wurde, jährlich in den Mitgliedsländern einen Tag der Briefmarke abzuhalten;
  • den XII. F.I.P. – Kongress in Paris am 22. Juni 1937 in Paris, wo entschieden wurde, die Festlegung des Datums für einen Tag der Briefmarke den Verbänden in den Mitgliedsländern zu überlassen.

 

Dass wir mit diesen Meilensteinen im Einklang mit den Auffassungen der Philatelisten in anderen Ländern sind, zeigte zuletzt eine Veröffentlichung in der französischen Zeitschrift „Timbres magazine“ im Jahr 2003 [3].

 

Um so überraschender war die Entdeckung auf französischen philatelistischen Internet – Seiten.

 

  • Bei www.comte-lavalette.com war in einer Zeittafel die folgende (ins Deutsche übertragene) Zeile zu finden: „1935: Die F.I.P. (…) schlägt die Schaffung eines ‚Tages der Briefmarke’ in ihren Mitgliedsländern vor.“
  • Bei www.phil-ouest.com steht: “Es war im Jahre 1935, als die F.I.P. (…) während ihres Kongresses in Brüssel die Schaffung eines Tages der Briefmarke in jedem ihrer Mitgliedsländer vorschlug …“

 

Die Anfrage bei den für die Seiten Verantwortlichen ergab, dass die Angaben einem bedeutsamen Werk der französischen Philatelie – und Postgeschichte entstammen [4]. Dort heißt es: “Es war auf dem Kongress der Fédération Internationale de Philatélie, der 1935 in Brüssel abgehalten worden ist, dass die Idee aufgebracht wurde, in allen Mitgliedsstaaten der Fédération … am selben Tag einen Tag der Propaganda für die Philatelie zu organisieren, und zwar mit der Bezeichnung Tag der Briefmarke.“

 

Die zahlreichen Assoziationen bei der Lektüre dieses Satzes liefen alle auf das Eine hinaus: War Brüssel ein bedeutsamer Meilenstein auf dem langen Weg von Rudolphis erster öffentlicher Darlegung seiner Idee im Dezember 1933 in Berlin bis zur F.I.P. – Akzeptanz in Luxemburg im August 1936? Ein Zwischenstück, das die Debatten in Danzig 1934 und Mainz 1935 erklärend zu verknüpfen im Stande war?

 

Da von den französischen Autoren kein Beleg für diese Angaben übermittelt worden war, wurde die eigene Recherche erforderlich. Léon Pütz war die erste Station [5]. Doch in seinem Standardwerk über die Gründung und Entwicklung des Internationalen Verbandes der Philatelie fand sich auf den Seiten über den Brüsseler Kongress nichts zum Tag der Briefmarke. Da er „das Fehlen sämtlicher Dokumente über die Vorkriegszeit in den FIP – Archiven“ beklagt hatte [6], war die Vergewisserung beim Sekretariat der F.I.P. erforderlich. Ergebnis: Nichts Neues aus Zürich; bei der F.I.P. gibt es nach wie vor keine Unterlagen über ihre Kongresse vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

 

Also wurde die Recherche – Strategie verfolgt, die auch schon Pütz als Ersatz – Strategie gewählt hatte: War womöglich in den Berichten der Philatelistenverbände in den F.I.P. – Mitgliedsstaaten etwas zu finden? Das Anlaufen der vornehmsten Adresse blieb erfolglos. Jean – Paul Maingay, damals Präsident und Louis Goldberg, damals Generalsekretär der F.I.P. schrieben gemeinsam in „ihrem“ belgischen Philatelisten – Organ über den Kongress [7]. Angekündigt war dieser Bericht (in meiner Übertragung ins Deutsche) so: „Auszug aus der Niederschrift der Jahresversammlung, abgehalten im Sitzungssaal des Palais der Schönen Künste in Brüssel am 29. Mai 1935.“ Kein Wort zum Tag der Briefmarke in dem für philatelistische Zeitschriften sehr detaillierten Bericht.

 

Die Autoren und Pütz vermerkten, dass aus Deutschland Alexander Leo – Geschäftsführer des Bundes deutscher Philatelisten im In – und Auslande e.V. – und aus Österreich Dr. Karl Willer als Vertreter des österreichischen Verbandes in Brüssel 1935 anwesend waren. Doch auch die Suche nach Äußerungen zu unserem Sammlungsthema in Berichten von ihnen [8] blieb erfolglos. Sie hätten gewiss berichtet, so meine Hypothese, wenn Rudolphis von den Philatelisten in Deutschland akzeptierter Vorschlag international erörtert worden wäre.

 

Kein Hinweis also darauf, dass Brüssel tatsächlich ein Meilenstein war auf dem Weg zur internationalen Anerkennung der Idee Hans von Rudolphis, einen Tag der Briefmarke einzurichten. Die Literatur- und Quellenlage und nicht zuletzt Michauds Beitrag im „Timbres magazine“, der Brüssel nicht erwähnt, bestärkt mich in meiner Auffassung: Der Tag der Briefmarke war auf dem F.I.P. – Kongress in Brüssel 1935 kein (offizielles) Thema.

 

 

Quellenverzeichnis

 

[1] mehr www.tag-der-briefmarke.org

[2] Forschungsgemeinschaft Tag der Briefmarke (Hrsg.): Tag der Briefmarke in Deutschland von 1936 – 1960. Handbuch/Katalog,

Teil1, Geschichtliche Entwicklung, R – Zettel, Deutsches Reich 1936 – 1944.

Teil 2, Besetzte Gebiete im Deutschen Reich, Deutschland nach 1945.

Moers, o.J.

[3] Didier Michaud: De la Journée des Philatélistes à la Journée du Timbre.

Teil 1, Timbres magazine, Nr. 33, März 2003, S. 42 – 45.

Teil 2, Timbres magazine, Nr. 34, April 2003, S. 76 – 80.

[4] Annette Apaire, Jean – Francois Brun, Michèle Chauvet, Pascal Rabier, Betrand Sinais, sous la diréction scientifique de Jean – Francois Brun: Le patrimoine de timbre-poste francais. Paris 1998, S. 913.

[5] Léon Pütz: Fédération Internationale de Philatélie. Ursprung und Werdegang des internationalen Verbandes der Philatelie; Luxemburg 1984, S. 91 – 94.

[6] Pütz [5], S. 236.

[7] Louis Goldberg, Jean – Paul Maingay: Fédération Internationale de Philatélie, Le Philatéliste Belge, 15. Jg. 1935, Nr. 164 (31. 7. – 31. 8. 1935), S. 161 – 164.

[8] Sammlerwoche; 16. Jg. 1935, Nr. 11/12 vom 20. Juni 1935, S. 134 f.

Die Postmarke; Nr. 337/338 (11/12) vom 20. Juni 1935, S. 134 f.

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